Chronik/Geschichte

Burgruine Hünenberg unter der Lupe

Vor 900 Jahren ein prächtiger Adelssitz, dessen Ruine jetzt vor dem endgültigen Zerfall gerettet werden soll.

 

Burgruine mit dem Turm Mitte des 18. Jahrhunderts. Foto RZ
Burgruine mit dem Turm Mitte des 18. Jahrhunderts.
Foto RZ
Spezialisten der Zuger Kantonsarchäologie sind zurzeit daran, Licht ins Dunkel der Geschichte der Burgruine von Hünenberg zu bringen. «Jetzt stellte sich heraus, dass die Anlage vor rund 900 Jahren ein ausserordentlich prächtiger Adelssitz war», ist in einer Mitteilung der Kantonsarchäologie nachzulesen. Und weiter: «Die archäologischen Untersuchungen haben gezeigt, dass die Burg spätestens im 12. Jahrhundert errichtet wurde.»

Unterhalb des Burghügels wurden Münzen gefunden
Bedeutende Reste der Umfassungsmauer, des grossen Torturmes und eines Wohnbaus sind erhalten. Überdies sind die Gebäude so sorgfältig gemauert, «wie nur auf ganz wenigen anderen Burgen jener Frühzeit», halten die Archäologen fest.
Im Übrigen enthält die Burgruine romanische Bauskulpturen, so ein Würfelkapitell und ein Löwenrelief. Bei den Grabungen kamen Keramikscherben und der aus Horn gefertigte Läufer eines Schachspiels zum Vorschein. Und das ist noch nicht alles: Unterhalb des gegen Westen gerichteten Burghügels entdeckte ein Mitarbeiter der Zuger Kantonsarchäologie im Bereich einer weiterführenden Mauer einen römischen Münzschatz. Die 68 zum Teil abgegriffenen Münzen lagen nahe beieinander im Waldboden und stammen aus der Zeit ungefähr zwischen 150 Jahre vor und 270 Jahre nach Christus. Es sind 66 Kupfermünzen, wovon 24 halbiert sind, dazu 2 Münzen aus Silber.


Kantonsrichter holt Burg aus dem Jahrhundertschlaf
Dass die 1961 unter den Schutz der Eidgenossenschaft gestellte Burgruine im Mai 1944 wieder ans Tageslicht kam, ist auf den Chamer Landwirt und Kantonsrichter Emil Villiger zurückzuführen, der 1981 gestorben ist. Er setzte sich dafür ein, dass die Korporation Hünenberg den Burghügel der Familie Holzmann «zur Burg» erwarb. Anstelle des Kaufpreises von 2500 Franken erhielt diese von der Korporation 40 Aren Kulturland.

Die Herren von Hünenberg spielten bedeutende Rolle
Als am 27. Juni 1944 mit Eugen Probst der Präsident des Schweizerischen Burgenvereins auf dem bewaldeten Hügel stand, war der Beitrag von 500 Franken für Sondierarbeiten bereits zugesichert. Am Abend des 22. Mai 1944 begann Emil Villiger mit freiwilligen Arbeitskräften aus den Dorfvereinen auf dem Hügel mit der Ausgrabung. Die Leute wurden vom Baumeister Fritz Zaugg unterstützt. Ganz freigelegt war die Ruine erst am 22. September 1945. Schliesslich wurde die Anlage 1979 mit Informationstafeln zur Geschichte der Burg und der Herren von Hünenberg in Anwesenheit von Emil Villiger ausgestattet. Dort ist nachzulesen, dass die Herren von Hünenberg in der Geschichte von Zug und des Reusstals eine bedeutende Rolle spielten.

Um 1300 die bedeutendste Kleinadelsfamilie
Um 1173 ist Walter von Hunoberg erstmals in Urkunden erwähnt. Die Hünenberger standen im Dienst der Kyburger, später der Habsburger. Und ihnen gehörten das Schloss St. Andreas in Cham und die Wildenburg. Ferner Höfe und Rechte in Arth und Sins. Die Kantonsarchäologie dazu: «Die Herren von Hünenberg traten erstmals im späten 12. Jahrhundert in den Schriftquellen auf. Sie waren um 1300 die bedeutendste Kleinadelsfamilie in der Zentralschweiz.»

Vom Landsitz in die Stadt übersiedelt
Gegen Ende des Mittelalters sollen sie ihren Sitz verlassen und sich in Städten angesiedelt haben, «wo das Leben als angenehmer und komfortabler empfunden wurde. Ihre alte Burg verkauften sie 1414 an einheimische Bauern. Damit begann der Zerfall der Anlage.»
Nach Abschluss der aktuellen Untersuchungen, die gleichzeitig durch die Kantonsarchäologie Zug in Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Archäologie des Mittelalters der Universität Zürich durchgeführt werden, wird die Ruine zum Schutz der Besucher unter der Leitung von Gabriela Güntert und Lukas Högl konserviert.
Die Arbeiten führen die Arge Reggiori AG, Cham, und Max Zuckschwerdt AG, Staufen, aus. Bei der vor kurzem durchgeführten Begehung der Burgruine informierten Regierungsrätin Manuela Weichelt-Picard, Thomas Suter, Präsident der Korporation Hünenberg, die Besitzerin der Burganlage ist, sowie Amtsleiter Stefan Hochuli und Archäologe Adriano Boschetti-Maradi.

 

Artikel Info:

Datum: 29. August 2007
Autor: Zuger Presse, RZ