Chronik/Geschichte

Korporation Hünenberg - Von einst bis heute

Einleitung

Nach der Unterwerfung der Alemannen, den Besiedlern des Landes Zug, durch die Franken, wurde das ganze Land in Gaue eingeteilt. Die Mark Zug wurde zum pagus turaugensis geschlagen. Als sich im Frühmittelalter das Feudalwesen im Lande Zug ausbreitete und beinahe jede Ortschaft unter einen besonderen Grundherrn oder Vogt kam, erstreckte sich das Gebiet jedes Feudalherrn auf das bisher von seinem Dorfe praktisch allein benutzte Allmendland. Mit der Zeit wurde das Land unter mehreren Grundherren aufgeteilt, was zu einer Zersplittung führte. Weil aber noch immer genügend Land für alle Bedürfnisse vorhanden war, wurden die Allmende nicht vollständig verteilt und aufgesplittet. Die Bevölkerungszunahme erfolgte erst nach dem Mittelalter, weshalb die genauen Abgrenzungen erst im Spätmittelalter, zum Teil aber erst in der Neuzeit erfolgten. Im Mittelalter gab es deshalb neben den in Eigentum (Grundherren) stehenden Liegenschaften immer grosse Landgebiete (offenes Land und Waldungen), welche grösseren oder kleineren Genossenschaften gehörten und von deren Mitgliedern gemeinsam genutzt und verwaltet wurden. Diese werden heute Korporationen genannt. Diese Genossenschaften hatten auch einen sozialen Status, dienten sie doch auch dazu, das Einkommen der Besitzer zu ergänzen. Dies war besonders in Notzeiten von grosser Bedeutung.
Die Genossenschaften entwickelten sich, je nach dem politischen Umfeld, im Laufe der Zeit sehr unterschiedlich. Während einige ganz verschwanden (z.B. in Cham) erlangten andere grosse Bedeutung (Zug, Ägeri, Hünenberg). Ebenso kam es zu grossen Unterschieden bezüglich den Rechten und Pflichten für die Genossen.
Die Verwaltung der Genossenschaften und die Handhabung der politischen Rechte und Pflichten erfolgten bis anfangs 19. Jahrhundert gemeinsam. Es gab in den Gemeinden nur eine „Einheitsgemeinde". Deshalb ist die Geschichte der Korporation Hünenberg ab Anfang des 15. Jahrhunderts bis Mitte des 19. Jahrhunderts mit derjenigen der Gemeinde gleichzusetzen.
Interessanterweise findet man den Namen „Korporation" in den alten Dokumenten bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts nur selten. Man sprach allgemein nur von den „Genossen". Die heutigen Korporationsgemeinden des Kantons Zug entstanden 1848 durch die Aufteilung der „Einheitsgemeinde" in Korporations- und Politgemeinden.

Die Freie Bauerngemeinde

Der Loskauf

Die Vorgeschichte der Korporation begann am 17. Januar 1414. An diesem Datum kauften sich die Bauern Land und Rechte in Hünenberg für eine Summe von 196 rheinischen Gulden. Jeder hatte eine Einkaufssumme von 1 bis 10 Gulden zu bezahlen und wurde dafür, im Verhältnis zur Einzahlung, Mitbenutzer an Holz und Feld (Wunn und Weid). Zwei Jahre später wurden nochmals 50 weitere Genossen, welche die gleichen Summen zu bezahlen hatten, an diesem historischen Freikauf beteiligt.

Vertrag mit Zug

Nur 2 Jahre lebte die kleine Gemeinde so für sich. Bereits 1416 beschlossen die Genossen bei einer Versammlung auf der Wart, sich unter dem Schutz einer Stadt zu stellen. Ob man sich fürchtete, leichte Beute einer erobersüchtigen Stadt oder eines Ortes zu sein oder ob man ohne schützende Hand Angst um die Zukunft hatte, kann nicht mit Sicherheit gesagt werden: „Wo rohe Kräfte sinnlos walten, könn sich kein Gebild gestalten". Zur Auswahl standen Luzern, Schwyz oder Zug, wobei sich die Hünenberger für die Stadt Zug entschlossen. Die Zuger bedankten sich für diesen Entscheid, wobei sie alle Genossen das Bürgerrecht der Stadt Zug schenkten.
Im Januar 1416 wurde die Verbindung zwischen der Stadt Zug und Hünenberg mit einem Brief besiegelt. Um Streit zu vermeiden, sollte der Nutzen durch einen Vogt und vier vereidigte Helfer an die alten und neuen Genossen verteilt werden. Der Brief, der vom Ammann und Rat von Zug am 21. Januar besiegelt wurde, beschreibt auch, dass ein Genosse bei einem Wegzug aus der Gemeinde jeden Nutzen verlor, bei einer Rückkehr aber alle Rechte wieder zurückbekam.
Diese Ereignisse verschmolzen die im Dorf Hünenberg und den umliegenden Weilern und Höfen lebenden Menschen zu einer mit allen Rechten und Pflichten ausgestatteten „Gemeinde" zusammen. Der Bürgerbrief von 1416 war, nebst einem eigenen Gesetzbuch, die wichtigste Rechtsgrundlage für die Hünenberger bis zur Französischen Revolution von 1798. In diesem Brief wurde festgehalten, dass die Leute von Hünenberg jedes Jahr die Stadt Zug um einen Vogt bitten sollte, und zwar soll die Stadt denjenigen wählen der von Hünenberg ausgewählt wurde. Der Vogt solle zuerst der Stadt Treue und Wahrheit versprechen, dann sollten die Hünenberger dem Vogt gehorsam schwören. Im Gegenzug musste der Vogt den Hünenbergern „Lob, Nutz und Ehr" zusichern und vor Schaden bewahren. Als Entschädigung erhielt er einen Drittel der Bussen und Sigeltaxen. Dazu kamen Spesen bei ausserordentlichen Schiedsgerichten. Die Hünenberger konnten zudem - ohne Einmischung der Stadt - den Untervogt, die „Vierer" (Rat) sowie die Gerichtsleute aus ihren Reihen bestimmen. Diese mussten aus Hünenberg sein und dem Vogt einen Eid schwören. Die Stadt ihrerseits versprach, den Hünenbergern ihre alten Rechte und Gewohnheiten zu belassen und ihnen keine lästigen Verordnungen aufzuzwingen. Schliesslich sicherte die Stadt den Hünenberger Schirm und Schutz zu, wofür diese sich zu Militärdienst verpflichteten, wobei einer von 100 Männern bei einer Mobilisierung nach Zug gehen musste.

Das Hünenberger Gesetzbuch

Regiert wurde Hünenberg nach eigenen Gesetzen, die auf alten, erkauften Freiheiten und Gerechtigkeiten beruhten und die in einem eigenen Buche verzeichnet haben. Ob diese Gesetze aus den Zeiten der Hünenbergerischen Lehnherrschaft herstammen oder ob sie während den zwei Jahren, als Hünenberg selbstständig war, entstanden sind, ist ungewiss. Vermutlich hat das Hünenberger Gesetzbuch, aufgrund der Sprache und des ähnlichen Inhaltes, das gleiche Alter und die gleiche Quelle wie dasjenige von Stadt und Amt Zug. Wenn dies der Fall wäre, hätte Hünenberg das gleiche Gesetzbuch aus dem 15. Jahrhundert wie Zug, jedoch mit vielen wichtigen Änderungen die sich aus der Situation jener Zeit ergaben, angenommen.
Interessanterweise ist das Hünenberger Gesetzbuch in die drei Abschnitte - allgemeiner Teil, Erb- und Teilungsrecht - aufgeteilt. Einzelne Rechte und Pflichten sind zum Teil recht detailliert geregelt. So ist zum Beispiel in „Die Geschichten der Gemeinde Hünenberg", von Dr. Karl Stadlin aus dem Jahre 1818, nachzulesen: „Wo ein unehlich Kind stürbe, es were Knaben oldt Töchteren, Wyb oder Mann, der unehlich were, der erbt ein Twing ze Hünenberg, doch hete die, so unehlich were, ehliche Kinder, den mag man wohl güetlich thuen".
Im Laufe der Zeit sind die ursprünglichen Gesetze laufend angepasst worden.

Der Schwör und Huldigungstag

Der Schwör und Huldigungstag war eine Angelegenheit, die vor allem im 18. Jahrhundert mit Prunk gefeiert wurde. An diesem Sonntag im Mai kam der neu gewählte Obervogt in festlichem Geleit auf die Wart um den Schwur der Gemeinde abzunehmen und seinerseits der Gemeinde den Eid zu schwören. Dann wählten die Genossen den Untervogt und die „Vierer". Anschliessend gab es immer ein Festessen. Im Jahre 1765 übertrieben es die Hünenberger. Dabei wurde für das Fest ein siebtel der Jahresausgaben der Gemeinde verbraucht!

Streit zwischen den oberen und untern Hünenbergern

Wie ein roter Faden zieht sich die Nutzung des Waldes durch die Geschichte der Hünenberger im 15. Jahrhundert. Damals gab es in Hünenberg vor allem Eichelwälder. In fruchtbaren Jahren vermochten die Schweine nicht alle Eicheln zu fressen. Das Sammeln der Eicheln entwickelte sich zu einem lohnenden Geschäft. Die Verteilung dieser Einnahmen und die Nutzen der Wälder führte immer wieder zu Konflikten. 1420, nur wenige Jahre nach dem Vertrag mit Zug, konnten die Hünenberger den Streit zwischen den obern und jenen, die im untern Teil von Hünenberg wohnten, nicht mehr schlichten. Sie mussten den Rat von Zug für die Schlichtung anfordern. Erst das Schiedsgericht konnte den Streit schlichten.
Die Ruhe hielt nicht lange. Im Jahre 1430 mussten die die Hünenberger wiederum den Rat der Stadt um Hilfe bitten. So ging es weiter, immer und immer wieder brachen Unruhen in Hünenberg aus.

Verlust an Selbstständigkeit

Der Vertrag von 1416 zwischen Hünenberg und Zug war ein Vertrag unter gleichberechtigten Parteien, ein Vertrag, den die Hünenberger freiwillig, zum eigenen Schutz, eingegangen waren. Im Gegensatz dazu waren die Vogteien Walchwil, Steinhausen, Cham und Gangolfswil Untertanen der Stadt Zug. Die Stadt war also bemüht auch mehr Einfluss auf die Hünenberger zu haben.
Die Auseinandersetzungen zwischen den obern und den untern Hünenbergern, die man durch die Vermittlung der Stadt Zug eindämmen konnte, führte mit der Zeit zu einem Verlust an Eigenständigkeit. Nachdem 1490 die Stadt Zug einmal mehr einen Streit um die Nutzung der Wälder geschlichtet hatte, entbrannte in Hünenberg eine heftige Meinungsverschiedenheit darüber, ob ein fremdes Gericht überhaupt in einem rein innerhünenbergerischen Streitfall zuständig sei. 1495 setzten sich die Vertreter der Stadt mit den Abgeordneten der Hünenberger zusammen und trafen im gegenseitigen Einverständnis eine Einigung:

In Zukunft dürfe jemand, der vom Hünenberger Gericht abgeurteilt wurde und sich darüber zu beschweren habe, innert 14 Tagen an das Gericht der Stadt Zug appellieren. Damit gaben die Genossen von Hünenberg aus freien Willen einen Teil ihrer Souveränität ab, ohne dass sich die Stadt darum bemühen oder gar Druck ausüben musste. Dafür brachten die Einschränkungen den Genossen und Beisassen einen besseren Rechtschutz und in der Gemeinde selbst grössere Garantie für Ruhe und Ordnung.

Sechs-Punkte-Brief

Im Jahre 1644 versuchte die Stadt ihre Vogteien zu vereinheitlichen und zentraler zu verwalten. Dabei wurde die Hünenberger Eigenständigkeit erneut eingeschränkt.
Aber diesmal nicht mit dem Einverständnis der Genossen, sondern sie diktierte die neuen Vorschriften so, als hätten die Hünenberger nichts dazu zu sagen. So erliess die Stadt in diesem Jahr den so genannten 6-Punkte-Brief. Darin wurde festgehalten:

  1. Auch die Hünenberger haben Brückenzoll zu zahlen und alle Vergehen, die auf der Brücke und in ihrer unmittelbaren Umgebung begangen werden, werden von den gnädigen Herren in Zug abgeurteilt.
  2. Die Wart wird von ihrem Ohmgeld (Verkaufssteuer) befreit, aber alle andern Wirte haben zu bezahlen. Das Ohmgeld fällt zur Hälfte der Stadt zu, die andere Hälfte, darf zwischen dem Obervogt und der Gemeinde geteilt werden.
  3. Der Untervogt muss alle „Rüef und Mandate" des Obervogtes und der Stadt ausrufen und verkünden.
  4. Alle Käufe, Aussteuerungen, Tausche und Erbteilungen müssen in Zug vom Stadtschreiber und vom Obervogt besiegelt werden.
  5. An der Wahl des Vogtes, so wie es 1416 festgehalten wurde, wird beibehalten.
  6. Die Wälder, die durch den Bau der Sinserbrücke in Mitleidenschaft gezogen wurden, werden umzäunt und sollen erst, wenn sie wieder in besserem Zustand sind, genutzt werden können.

Mit diesem Sechs-Punke-Brief konnten sich die Hünenberger nicht abfinden. Sie versuchten, da der Brief von 1416 von der Stadt weiterhin anerkannt wurde, ihre alte Stellung zurück zu gewinnen. Bis zum Einfall der Franzosen im Jahre 1798 versuchten sie immer wieder den Brief zu revidieren oder sogar ausser Kraft zu setzen.
Am 3. Februar 1739 entschieden die Hünenberger an einer Versammlung auf der Wart: „Am Brief von 1416 wird in allen Punkten festgehalten; alle später der Gemeinde auferlegten Einschränkungen seien abzuschaffen." Drei Tage später trug man den Entschluss vor den Zuger Rat.
Am 27. Februar gelang es dann, bei einer gemeinsamen Sitzung zwischen den Abgeordneten der Stadt und Hünenberg, sich zu einigen. Vor allem die in Artikel 4 festgelegten Verschreibungen gab die Stadt den Hünenbergern zurück. In Zukunft mussten nur noch Geld und Schuldschreiben von Zug besiegelt werden. Dies konnte die Lage vor allem, weil der Kompromiss mit den Hünenbergern ausgehandelt wurde, beruhigen. Trotzdem vergassen die Hünenberger diese Auseinandersetzung nie und wehrten sich für ihre Rechte bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Sie wollten keine Befehle entgegen nehmen, sie wollten gebeten werden! Zudem wurde die Hünenbergische Gerichtshoheit 1702 nach dem Tschurrimurri-Handel von einem eidgenössischen Schiedsgericht bestätigt!

Tschurrimurri Handel

Heinrich Bütler, Wirt der Wart, wollte zu Beginn des Jahres 1700 nach Zug umziehen und dort das Restaurant Löwen übernehmen. Da er wegen Wucher, Entwendung von Pfannen und Nichtablegen der Waisenrechnung angeklagt war, verweigerte der Obervogt ihm aber den Wegzug von Hünenberg. Der Obervogt lies ihn erst dann ziehen, als er versprach, einer Aufforderung zum Gericht auf der Wart Folge zu leisten und als Pfand dafür seine in Hünenberg liegenden Güter zu hinterlegen. Bütler zog also nach Zug, hielt seine Versprechen allerdings nicht. Vielmehr verlangte er eine Verhandlung in Zug.
Im Dezember kam die Angelegenheit vor den Stadt- und Amtsrat. Auf Drängen der Vertreter des Äusseren Amtes beschloss dieser selbst über diesen Konflikt zu entscheiden. Dies kam aber für die Stadt Zug als „Hüterin über Hünenberg" nicht in Frage. Es kam soweit, dass die Abgeordneten des Äusseren Amtes im Stadt- und Amtsrat die Verhandlung verliessen und die nächsten Sitzungen ausserhalb der Stadt durchführten. Mehr und mehr vertiefte sich der Graben zwischen der Stadt und dem Äusseren Amt.
Erst ein Schiedsspruch der Eidgenossenschaft vermochte die Lage zu beruhigen. Die Stadt Zug und die Hünenberger hatten sich auf der ganzen Linie durchgesetzt. Es hiess, wer eine Busse in Hünenberg schulde, müsse diese auch in Hünenberg bezahlen.

Revolutionszeit

Einzug der Franzosen

Nach den Aufzeichnungen von Gerichtsschreiber Johann Adam Gretener verlief der Alltag vor der Revolution ohne Anzeichen eines Sturmes. Hünenberg war ruhig, nichts deutete auf eine Revolution hin. Die Anzeichen kamen aus der Stadt Zug, wo der Rat und die Bürgerschaft anfangs 1798 nervös wurden, weil die Vogteien unüberhörbare Forderungen nach Freiheit und Gleichheit laut werden liessen. Einer gemeinsamen Eingabe schloss sich Hünenberg ebenfalls nicht an. Vielmehr verlangte Hünenberg am 8. Februar die Bestätigung ihrer alten Rechte und „.. in allen Stücken und Artikeln als eine bestbegünstigte Gemeinde angesehen zu werden"! Schlussendlich gab die Stadt nach. Am 11. Februar 1798 beschloss eine ausserordentliche Bürgergemeinde der Stadt Zug, ihre Vogteien freizulassen. Alle Untertanverhältnisse wurden an diesem Tag von Zug aufgelöst. Dies wurde in einer Urkunde vom 17. Februar dann auch noch schriftlich beglaubigt.
Als der Freiheitsbrief in Hünenberg vorgelesen wurde, konnte man damit nicht viel anfangen. Man verstand sich ja nicht als Untertan der Stadt, man hatte immer eine Sonderstellung gegenüber den Vogteien gehabt.
Ende April näherten sich die Truppen der Franzosen Hünenberg. Nachdem die Zuger Truppen bei Hägglingen in die Flucht geschlagen wurden, hatte man noch versucht die Stellungen im Raum St. Wolfgang - Wart - Rumentikon zu schützen. Als aber bekannt wurde, dass die Franzosen auf dem Vormarsch nach Zug seien und dass auch Truppen von Zürich herkommen, gab man die Stellungen auf. Am 29. April 1798 kamen die Franzosen über die Sinserbrücke. Schrecklich müssen sie auf dem Vormarsch nach Cham gewütet haben. Der Schaden, den sie angerichtet hatten, belief sich auf rund Fr. 40'000.-, dabei verschonten sie auch die Wart, das so genannte „Gesellenhaus" nicht. Sie stahlen das Silbergeschirr und die Gelder der Genossen.
Auf den ersten Sturm folgte eine lange Zeit der Besatzung. Bis im März 1801 waren 580 Offiziere und 14814 Unteroffiziere und Soldaten einquartiert. Noch problematischer war, dass 11 Schanzwerke zur Sicherheit der Reussgrenze errichtet werden mussten. Die Gesamtsumme der Schäden belief sich schlussendlich auf 117'425 Franken.
Neben den Schäden schmerzte die Hünenberger vor allem der Verlust an Selbständigkeit. Die Gemeinden wurden nach den Kirchen aufgeteilt. Dies bedeutete, dass Cham und Hünenberg zusammen eine politische Gemeinde bildeten.
Anfangs Mai 1798 wurde durch alle Gemeinden die Verfassung der Helvetischen Republik angenommen. Nun musste jeder Wahlberechtigte einen Eid auf die Verfassung ablegen. Am 29. August sollte ein Schwörtag einberufen werden. Dies wollten die Hünenberger, wie dies Brauch war, auf der Wart und nicht in Cham tun. Dank der am Nachmittag des 29. August abgehaltenen Sondersitzung durften die Hünenberger zwischen der Wart und Cham auswählen! Und wie es Tradition war, gab es in Cham wie auch in Hünenberg anschliessend ein Festessen.
Von nun an ruhten die Gemüter in Hünenberg nicht mehr. Sie versuchten mit grossem Aufwand sich von Cham zu trennen und damit ihre Selbständigkeit wieder zu erlangen.

Trennung von Cham

Das Ziel der Eigenständigkeit verloren die Hünenberger nicht mehr aus den Augen. Mit dem Anliegen gingen sie aber nicht mehr zum Unterstadthalter von Zug sondern eine Stufe höher, zum Regierungsstadtthalter des Kantons Waldstätten. Sie sandten auch eine Delegation zum Innenminister der Helvetischen Republik und liessen ihm erklären, dass sie immerhin 280 stimmfähige Bürger seien und seit Jahrhunderten eine eigene Gemeinde gebildet hätten. Ihr Wunsch sei vom Unterstadtthalter abgewiesen worden, obwohl sie mit der Gemeinde Cham ausser der Kirche keinerlei Gemeinsamkeiten hätten. Dem Innenminister leuchteten diese Argumente ein. Im Frühjahr 1799 ordnete er an, dass Hünenberg eine selbstständige Gemeinde bilden dürfe.
Am 1. April 1799 wurde also in Hünenberg abgestimmt, ob man eine eigene Gemeinde bilden wolle. Das Ergebnis war klar, mit einer grossen Mehrheit stimmten die Hünenberger der Trennung von Cham zu. Mit der Separationssitzung vom 2. Mai 1799 wurde Hünenberg eine eigene, selbstständige Gemeinde.

 

Weiterführenden Text sowie Bildmaterial finden Sie in der Original Dokumentation von Daniel Suter:
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